TS Maxim Gorkiy

 

Mit diesem Schiff fing alles an:

 

Die "Maxim": 1968 in Hamburg erbaut, 1969 als "TS Hamburg" in Dienst gestellt, fuhr sie bis November 2008 als "TS Maxim Gorkiy" als beliebtes klassisches Kreuzfahrtschiff mit russisch/ukrainischer Besatzung und deutschen Passagieren über die Meere der Welt. 

 

Dabei war sie "Weltmeister im Weltumrunden", am 21.12.2007 begann sie in Bremerhaven ihre 35. und letzte Weltreise, die sie rund um Südamerika, durch die Südsee nach Hawaii, Japan, China und durch das Rote Meer sowie den Suez-Kanal zurück nach Europa führte.

 

Im Sommer 2008 startete sie diverse Reisen ins Nordland und das Baltikum sowie zu vielen Zielen im Mittelmeer-Raum, bevor am 30.11.2008 in Venedig ihr Dienst für ihren letzten Charterer Phoenix-Reisen endete.

 

Nachdem das Vorhaben von "Orient Lines", das Schiff ab 2009 erneut in Fahrt zu bringen, scheiterte, begann ein Rennen gegen die Zeit. Hamburger Investoren und Freunde der "Maxim Gorkiy" versuchten in einer beispiellosen Rettungsaktion, die ehemalige "TS Hamburg" als Hotel- und Museumsschiff in die gleichnamige Hansestadt zu holen. Trotz erheblicher Bemühungen scheiterte das Projekt jedoch am Hamburger Senat sowie der Hamburger Hafenbehörde. Die einstige "stolze Hamburgerin" war heute nicht mehr erwünscht.

 

So kam es dann, wie es schließlich kommen musste: Am frühen Morgen des 25. Februar 2009 wurde die TS Maxim Gorkiy im indischen Alang zum Abwracken auf den Strand gesetzt, ihr Ende somit besiegelt.

 

Ein schwarzer Tag für alle Fans der alten Lady, denn nach 40 Jahren ging mit diesem Tag eine bedeutende Ära zu Ende.

 

 

 

Mein Interesse für die Maxim begann im Sommer 1989. Im Urlaub an der Nordseeküste erfuhren wir aus den Nachrichten von der Kollision der Maxim Gorkiy mit einem Treibeisfeld auf ihrer Fahrt nach Spitzbergen. In sämtlichen Medien wurde damals ausführlich berichtet. Nachdem es der Mannschaft gelungen war, das bereits bis zum Hauptdeck weggesunkene Schiff zu stabilisieren und schließlich provisorisch abzudichten, konnte sie am 4. Juli 1989 aus eigener Kraft Bremerhaven anlaufen, wo sie zur Reparatur in die Lloydwerft ging. Das Einlaufen in die Bremerhaven haben wir damals eindrucksvoll miterleben können:

 

 

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen - wenn sicherlich auch unvollständigen - Überblick über die Geschichte der TS Maxim Gorkiy geben, die seit nunmehr fast 40 Jahren die Weltmeere bereist und auch heute noch zu den beliebtesten Klassikern am deutschen Kreuzfahrtmarkt zählt.

 

Von ersten Plänen zum Bau eines weiteren Schiffes für die Hamburg Atlantic Line liest man seit 1962. Nachdem das Konzept einer Abschreibungsgesellschaft entworfen wurde und Zuschüsse des Bundes nach Festlegung der "Deutsche Werft" als Bauwerft zugesichert waren wurde am 21.07.1967 in Hamburg der Kiel gelegt. Sieben Monate später war das Schiff bereit für den Stapellauf und am 21.02.1968 taufte die Frau des Bundespräsidenten Kurt Georg Kiesinger, Marie-Luise Kiesinger, das Schiff auf den Namen der gleichnamigen Hansestadt. 

 

Ein weiteres Jahr verging bis die Ausrüstung des Schiffes fertiggestellt war. Am 20. März 1969 wurde die "TS Hamburg" offiziell der "Deutschen Amerika Linie" übergeben. Wenige Tage später startete sie zu ihrer ersten Reise Richtung Westafrika und Südamerika.

Als die Reederei 1973 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ein anderes Schiff, die "Hanseatic", verkaufen musste, wurde die "TS Hamburg" kurzerhand in "Hanseatic" umbenannt. Trotz dieser Maßnahme musste die "Deutsche Atlantik Linie" bereits im Dezember 1973 ihren Betrieb einstellen. Die "Hanseatic ehem. Hamburg" wurde in Hamburg aufgelegt und stand nun zum Verkauf.

 

Den Zuschlag erhielten zunächst die Amerikaner, die das Schiff aber unmittelbar an die Sowjets weiterverkauften.

 

Am 25.01.1974 wurde das Schiff an die russische Reederei BLACK SEA SHIPPING & CO. in Odessa übergeben und auf den Namen des 1936 verstorbenen russischen Schriftstellers "Maksim Gorkiy" umbenannt.

 

Kurz nach der Übergabe wurde die "Maksim Gorkiy" an die amerikanische Filmproduktionsfirma UNITED ARTISTS verchartert, um darauf den Film "Juggernaut" oder "18 Stunden bis zu Ewigkeit" mit Omar Sharif und Anthony Hopkins in den Hauptrollen zu drehen. Noch heute wird dieser Film im Bordfernsehen regelmässig gezeigt. Im Film heisst das Schiff "Britannic" und droht einem Sprengstoff-Anschlag zum Opfer zu fallen, sofern Lösegeldforderungen nicht erfüllt werden. Leider gab es im November 1975 tatsächlich einen Anschlag auf die "Maksim Gorkiy", der durchaus an den Film in negativer Art und Weise erinnerte: Unbekannte brachten während einer Reparatur in San Juan zwei Bomben an der Bordwand unterhalb der Wasserlinie an, die dann auf der Überfahrt nach New York  explodierten. Der Schaden wurde behoben, eine Kreuzfahrt musste ausfallen.

 

Seit 1975 fuhr das Schiff für Neckermann-Reisen unter Vollcharter und absolvierte dort die ersten Weltumrundungen. Aufgrund der damaligen zeitweilig angespannten politischen Umstände wurde dem unter sowjetischer Flagge fahrenden Schiff das Anlaufen von Häfen einiger Staaten - unter Anderem der USA - verweigert, so dass sich Neckermann nach einem anderen Schiff umsah um weiterhin preisgünstige Weltumrundungen anbieten zu können.

 

Nachdem das Schiff von April bis Juni 1988 bei der Lloyd Werft in Bremerhaven umfangreich modernisiert wurde, ging die "Maksim Gorkiy" drei Monate später in Vollcharter an Phoenix Reisen in Bonn. Die politische Lage entspannte sich und Phoenix profitierte zudem von der hohen Anzahl der Stammgäste, die dem Schiff die Treue hielten. Seitdem kreuzt sie erfolgreich für Phoenix über die Meere.

 

Am 19.06.1989 jedoch fährt die "Maksim" mit 575 Passagieren an Bord auf ihrer Reise von Island Richtung Magdalenenbucht in Spitzbergen mit viel zu hoher Fahrt in ein Treibeisfeld hinein. Kurz vor Mitternacht schlägt das Schiff leck und beginnt zu sinken. Der Kapitän, der mit diesem Seegebiet nicht vertraut war, lässt SOS funken und die Passagiere evakuieren. Gegen 3 Uhr am nächsten Morgen kommt das norwegische Küstenwachschiff "Senja" zur Hilfe und unterstützt die Lecksicherungsarbeiten auf der "Maksim Gorkiy". Stück für Stück gelingt es, das Schiff zu stabilisieren, während die draussen teilweise auf Eisschollen ausharrenden Passagiere von der "Senja" aufgenommen werden.

 

Am 21.06.1989 wird das Schiff zur provisorischen Abdichtung in eine Bucht geschleppt, die Passagiere mit Flugzeugen zurück nach Deutschland geflogen. Aus eigener Kraft trifft die "Maksim Gorkiy" dann schließlich am 04.07.1989 in Bremerhaven ein (Fotos siehe oben).

Heute erinnert ein Bundesverdienstkreuz in einer Sammlung von Erinnerungsstücken und Auszeichnungen an Bord auf dem Promenaden-Deck an die Geschehnisse. 

 

Nur wenige Monate später, vom 02. bis 03.12.1989, ankert die "Maksim Gorkiy" vor Malta und wird Austragungsort des Gipfeltreffens zwischen den damaligen Präsidenten George Bush und Mikhail Gorbatschow. Fotos an Bord zeugen noch heute von diesem Ereignis.

 

Im Juli 1991 sterben drei weibliche Crewmitglieder in ihren Kabinen infolge einer Rauchvergiftung, als ein Fernseher implodiert.

 

Im Dezember 1991 wird die "Maxim Gorkiy" in Nassau/Bahamas registriert. Zu  ihren Routine-Checks kam sie alljährlich nach Hamburg, wo sie bei BLOHM & VOSS regelmäßig gewartet und modernisiert wurde.

 

 

 

Es ist wahrlich eine Schande, dass dieser wunderschöne und erstklassig gepflegte Ozeanliner der Nachwelt nicht erhalten werden konnte!

 

 

 

 

 

Technische Daten
Länge 196 m
Breite 27 m
Höhe 47 m
Tiefgang 8,50 m
Vermessung 25.000 BRZ
Passagierdecks 10
Passagierkapazität ca. 820 Betten, max. Belegung ca. 630 Passagiere
Besatzung 340, meist russisch und ukrainisch, Reiseleitung deutsch
Bordsprache deutsch
Restaurants 3 Restaurants: "Sea", "Crimea", "Odessa". Eine Tischzeit.
Aufzüge/Lifts 4
Wellness Ein Innen- u. ein Aussenpool, Sauna, Solarium, Massage
Bordwährung  Euro
Reisegeschwindigkeit 17 - 20 Knoten
Antrieb Dampfturbine mit 23.000 PS
Verbrauch 100 Tonnen Schweröl in 24 Stunden bei 18,5 Knoten
Stabilisatoren AEG/Denny Brown, ausfahrbar in 100 sek.
Bauwerft Howaldtswerke Deutsche Werft AG Hamburg
Indienststellung 1969 als TS Hamburg
Reederei Maxim Gorki LTD Nassau für Sovcomflot Moskau
Flagge Bahamas
IMO-Nr. 6810627
Alle Angaben ohne Gewähr