Mit der Marco Polo rund um Dänemark

Kiel - Kopenhagen - Oslo - Helgoland - Bremerhaven

 

 

Am Freitag, den 5. September 2008 trafen sich am Kieler Ostseekai Kreuzfahrt-Verrückte

aus ganz Deutschland, um eine gemeinsame Gruppenreise mit einem Schiff zu unternehmen,

das gerade kurz vorher erst auf den deutschen Markt zurückgekommen war: Die Marco Polo.

 

Ich war vor der Reise sehr gespannt, war es doch wieder ein Klassiker, wieder ein Schiff mit 

osteuropäischer Besatzung und wieder eines in der Größenklasse unter 30.000 BRZ, die mir einfach 

am Ehesten zusagt. Die Anreise mit der Bahn verlief absolut unproblematisch und nach einem kurzen 

Fußmarsch zum Ostseekai lag sie dann auch schon mit Ihrem blauen Rumpf vor uns in der Sonne:

 

 

 

 

 

Die Color Fantasy passiert auf ihrem Weg nach Oslo die Marco Polo

 

 

Der erste Eindruck, als sie da so an der Pier lag: Tolles Schiff! In ihrer blau-weißen Farbgebung

ist die Marco Polo wirklich was fürs Auge. Zudem schien der Pflegezustand des Schiffes zumindest

äußerlich sehr gut zu sein... von Rost oder Ähnlichem keine Spur.

 

Pünktlich begann der Check-in und hier merkte man schon zum ersten Mal, welche Klientel Passagiere

heute an Bord wollte. Es wurde gedrängelt und genörgelt, als wenn das Schiff ohne die Gäste losfahren

würde. Unverständlich allerdings war mir, wieso man nur eine Sicherheitsschleuse geöffnet hatte.

Hier hätte es deutlich zügiger und entspannter laufen können.

 

Als wir das Schiff betraten, stand dort die Transocean-Reiseleitung. Die schien das Lächeln nicht erfunden

zu haben und bedeutete uns nur, in die PC-Cam zu schauen, um das Foto für die Bordkarte zu machen.

Deutlich freundlicher wurde es, als uns dann ein osteuropäisches Besatzungmitglied zuvorkommend

zur Kabine begleitete. So geht das mit dem "Lächeln", liebe Trans-O-Reiseleitung!

 

Unsere Kabine auf dem untersten Caribic-Deck war klein, aber praktisch und funktional eingerichtet.

Für eine kurze Fahrt wie diese absolut ausreichend, bei einer längeren hätte der sehr kleine Schrank

jedoch sicher für Schwierigkeiten gesorgt, denn weiteren Stauraum gab es nicht. 

 

Unser Zimmermädchen Viktoria stellte sich kurz vor, fragte uns freundlich, ob wir noch ein zweites

Kissen benötigen würden und hielt fortan unsere Kabine piccobello sauber und in Schuss.

Allerdings sollte man des Englischen mächtig sein, denn die deutschen Sprachkenntnisse der

Crew lassen derzeit noch zu wünschen übrig. Dies wird sich aber sicher noch ändern.

 

Als Nächstes machten wir uns daran, das Schiff zu erkunden. Hier einige Eindrücke von Bord der Marco Polo:

 

 

Außenkabine auf dem Caribic-Deck ganz unten

 

Captain's Club

 

Palm Garden

 

Boutique & Shopping-Meile

 

Columbus Lounge

 

 

Wunderschön: Der weitläufige Heckbereich

 

 

Fitness- & Wellness- Bereich

 

Scott's Bar

 

Waldorf-Restaurant Marco's Bistro

 

 

Mir hat die Inneneinrichtung gut gefallen, alles macht einen gepflegten Eindruck.

Die Fotos vermitteln allerdings den Eindruck, als wenn das Schiff stets leer gewesen wäre.

Dies war definitiv nicht der Fall, ganz im Gegenteil: Die Marco Polo war ausgebucht und das

führte in vielen Bereichen regelmäßig zu unangenehmer Enge. 

 

In Zahlen: Lt. Transocean nimmt die Marco Polo bei einer BRZ von ca. 22.000 maximal

 850 Passagiere mit. Zum Vergleich: Die Maxim Gorkiy ist größer (BRZ knapp 25.000),

dennoch reisen bei Phoenix jedoch höchstens nur ca. 600 Gäste mit.

 

Ob in den Restaurants, auf den Aussendecks, in den Lounges: Überall Menschen. Im 

Büffetrestaurant "Marco's Bistro" saßen meist die Ersten schon eine halbe Stunde vor 

Essensbeginn, nur um einen sicheren Sitzplatz zu haben! Abgesehen davon führte diese

Enge natürlich oftmals auch zu gereiztem Verhalten der Passagiere, was sich wiederum

gerne mal am Personal entlud. 

 

Gespeist wird in 2 Tischzeiten. Das "Waldorf-Restaurant" auf dem Atlantic-Deck ist sehr

gemütlich eingerichtet. Wer einen Fensterplatz hatte, der hatte auch ausreichend Platz.

Anders sah es hingegen bei denen aus, die an einen der runden Tische gepfercht wurden.

Wer den unmittelbaren Kontakt zum Tischnachbarn links und rechts liebt, der fühlte sich hier pudelwohl...

 

Wir haben nur am ersten Abend im "Waldorf-Restaurant" gegessen. Die Enge, aber auch die Hektik

im für meine Begriffe recht lauten Raum ließen nicht wirklich das Gefühl eines gepflegten Dinners aufkommen.

Nicht dass es in "Marco's Bistro" leerer gewesen wäre, nein. Teilweise standen ältere Herrschaften neben

unserem Tisch und warteten auf eine freiwerdende Sitzgelegenheit... sehr gemütlich. Mir hat jedoch

die Einrichtung des Buffetrestaurants besser gefallen, ganz abgehen davon, dass man hier nicht 

so lange in der Menschenmenge verweilen musste, wie es bei fester Gangfolge der Fall gewesen wäre.

 

Es war einfach viel zu voll, man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der Veranstalter

schlichtweg versucht, den schnellen Ertrag einzufahren. 300 Menschen weniger und es hätte eine 

traumhaft schöne Reise werden können, das Schiff selbst wäre wie geschaffen dafür.

 

Gegen 17 Uhr verließ zunächst die "Delphin Voyager" den Hafen von Kiel:

 

   

 

 

Um 19 Uhr hieß es dann auch endlich für uns "Leinen Los", um durch die Kieler Förde

das Festland zu verlassen und Kurs zu nehmen auf unser erstes Ziel: Kopenhagen.

 

 

 

Kopenhagen

 

In den frühen Morgenstunden des 6. September machten wir in Kopenhagen fest.

 

Wir hatten Glück mit dem Liegeplatz, denn während die "MSC Lirica" irgendwo im Container-

hafen anlegen musste, lag die Marco Polo direkt an der Langen Linie. So konnten wir die

Innenstadt Kopenhagens, die Meerjungfrau, Schloss Amalienborg und Nyhavn problemlos

zu Fuß erreichen. Das Wetter hätte besser sein können, zumindest aber war es trocken.

 

Mit uns an der Langen Linie lag die "Norwegian Jewel", deren Einlaufen wir

wunderbar von den Aussendecks verfolgen konnten:

 

 

 

Die Marco Polo an der Langen Linie

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Mittag riss der Himmel dann immer mehr auf, so dass wir bei Sonnenschein

die dänische Hauptstadt verließen und Kurs auf Oslo nahmen.

 

Am Nachmittag trafen sich dann die Teilnehmer des  Kreuzfahrten-Treff.de  in

der Columbus-Lounge, um auf die Reise offiziell anzustoßen und sich gegenseitig 

etwas besser kennenzulernen, schließlich kannte man sich ja teilweise nur aus dem Internet. 

Ein Vertreter von Transocean kam hinzu und begrüßte uns von Seiten des Veranstalters.

 

Der Rest des Nachmittags verbrachte ich dann damit, was ich am Besten kann:

An Deck sitzen, liegen, stehen und die Meeresluft genießen.... während sich MS Marco Polo

zwischen Dänemark und Schweden unbeirrt nordwärts Richtung Norwegen schob.

 

 

 

Oslo

 

 

Heute hieß es wieder Wecker stellen, denn die Einfahrt in den Oslofjord wollte ich auf

gar keinen Fall verpassen. Es nieselte leicht, doch das tat dem Ganzen keinen Abbruch.

 

Norwegen schien noch zu schlafen, als wir uns der Hauptstadt näherten.

 

Warm eingepackt und mit der Kamera bewaffnet zog ich also über Deck, um

die Stimmung dieses Morgens irgendwie einzufangen:

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier in Oslo hatten wir einen ganzen Tag zur Verfügung. Da wir keinen Ausflug gebucht hatten,

machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt und hinauf zum Vigelandpark:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Vigelandpark

 

 

 

 

 

 

 

 

Obwohl wir Mittags mehr als zeitig zurück an Bord waren, um noch einen Platz in Marco's Bistro

zum Mittagessen zu ergattern, stellten wir fest, dass selbst eine viertel Stunde vor Beginn der Essenszeit 

nicht ein einziger Platz mehr frei war! So etwas hatte ich bisher auf keinem anderen Schiff erlebt.

 

Man konnte sich nun entweder mit dem Teller auf den Knien draußen an den Rand des Pools 

setzen oder schlichtweg eine Stunde warten, bis die Massen abgefüttert waren. Grausam.

 

Nach dem Essen ging es noch einmal hinauf zur Akerhus-Festung:

 

 

 

 

 

 

 

Seetag - Kurs Bremerhaven

 

 

Am folgenden Tag hatten wir richtiges Glück mit dem Wetter. Es war zwar windig, dafür kam

aber immer wieder die Sonne raus, so dass es auch an Deck nicht wirklich kalt war.

 

Es hätte ein richtig schöner Tag werden können. Letztlich war es das auch, wäre da nicht dieser

unsägliche Frühschoppen auf dem Achterdeck gewesen. Der Kreuzfahrtdirektor hatte Freibier 

angekündigt, das alleine ließ schon Böses erahnen, und so  kam es dann auch:

 

Die Reiseleitung schlüpfte in Lederhosen und bayerische Trachten, dann nahm das

Elend seinen Lauf: Polonaise auf hoher See, dazu ein peinlicher Kreuzfahrtdirektor

am Mikrofon, der eine knappe Stunde lang Partylieder in albernen Versionen sang...

Es war furchtbar. In diesem Zusammenhang danke ich Nikon und SanDisk als Hersteller

meiner Fotokamera sowie der Speicherkarte, dass trotz dieses Anblicks am Chip nichts

durchgeschmort oder sonstwie zu Schaden gekommen ist ;-) :

 

 

 

 

 

 

Wir nahmen Kurs auf Bremerhaven. Ursprünglich war noch ein Stop in Helgoland vorgesehen, der

musste jedoch aus Sicherheitsgründen wegen der kräftigen Dünung kurzfristig abgesagt werden.

 

Da wir erst kürzlich mit der Albatros auf Helgoland waren, machte uns diese Planänderung nichts 

aus. Kapitän Sergey Zhygalin ließ es sich zudem nicht nehmen, in aller Ruhe die Insel zu

umrunden. Und so genossen wir dann diesen letzten Tag und Abend auf See.

 

 

 

 

 

Helgoland

 

 

 

 

 

 

 

Pünktlich um 7 Uhr morgens machte die Marco Polo dann an der Columbuskaje in 

Bremerhaven fest. Ärgerlich: Bis 8 Uhr mussten die Kabinen schon geräumt sein,

teilweise fingen die Reinigungsarbeiten in manchen Kabinen auch noch früher an,

obwohl eben diese Kabinen noch gar nicht leer waren. Das kam einem Rauswurf gleich.

 

Mein persönliches Fazit: Die Marco Polo ist ein wunderschönes klassisches Schiff. Die vielen

Aussendecks, aber auch die Einrichtung im Inneren laden zum Wohlfühlen ein. Wohlfühlen

geht aber nur, wenn man sich nicht bedrängt fühlt. Und genau da liegt der Haken:

 

Die Marco Polo wird von "Trans-OverCrowded" völlig überladen. Schlangen vor und teils in den

Restaurants, teils knackige Enge im Schiffsinneren... Atmosphäre kommt dabei freilich nicht auf.

Dass es auch anders geht, beweisen die Mitbewerber Hansa und Phoenix, die ebenfalls

mit klassischen Schiffen auf dem deutschen Markt unterwegs sind, diese aber nie bis zur

Halskrause vollstopfen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich erschrocken, wie man ein so

schönes Schiff so "touristenmässig" vermarkten kann.

 

Auch das Personal steht wegen der Menschenmassen unter "Dauerfeuer". Abgesehen

davon, dass im Katalog die Bordsprache deutsch ausgewiesen wird, hapert es oftmals 

gerade bei der Verständigung. Mich wundert es, wie freundlich und hilfsbereit das 

osteuropäische Personal trotz viele maulender deutscher Gäste war, die ihren Ärger 

natürlich immer an der nächsten Bezugsperson abließen. Hier hätten einige Sprachstunden 

im Vorfeld des Engagements auf der Marco Polo eine Menge bewirken können.

 

Auch die Reiseleitung machte keinen besonders kompetenten und motivierten Eindruck.

Es ist schade, dass so ein schöner Klassiker so zum Touristendampfer verkommt.

 

Es bleibt zu hoffen, dass Transocean hier kurzfristig umdenken wird.

 

Mit mehr Platz an Bord und einer persönlicheren Atmosphäre wäre schon viel gewonnen.